Konzeptentwurf für die Wiesbadener Fototage

1. Zielsetzung und Charakter der Wiesbadener Fototage

Ziel der Wiesbadener Fototage ist es, die allgemein geringe Wertschätzung gegenüber der Fotografie (Nischenkultur)
abzubauen und durch Präsentation von hochwertiger Fotografie mit spannenden Themen dieses Medium einem breiten
Publikum interessant zu machen.
Jenseits der Bilderfluten und kommerzieller Verwertbarkeit von Fotografie bieten die Wiesbadener Fototage einen Raum,
in dem Fotokonzepte nach bestimmten Schwerpunkten individuell, kontrovers und spannungsreich dargeboten werden,
was zu Auseinandersetzungen mit diesem Medium führen soll. Das Ausstellungskonzept der Fototage gründet sich auf die Ursprünglichkeit der Fotografie mit eigenen Sichtweisen, die nicht, oder nur bedingt vom Markt bestimmt werden.

- Wir suchen intensiv den Kontakt mit dem Publikum und organisieren den Zugang zur Fotografie so einfach und direkt wie nur möglich. Neben dem Fachpublikum und Kunstinteressierte ist unsere Zielgruppe auch die jüngere Generation !
- Wir verstehen uns als Festival und nicht als eine Gruppe von Galeristen die ihre Verkaufsstratergie optimieren wollen.
- Führungen und die Anwesenheit von Ansprechpartner ist so wichtig wie die Erstellung eines erklärenden Kataloges.
- Junge und unbekannte Fotografen sollen bei den Fototagen ein breites Forum geboten
- werden. Unterstrichen wird dies durch offene Mappen (Portfolien).
- Div. Workshops sollen Zukünftig ein fester Bestand des Festivals werden.
- Über die Exponate hinaus, soll Fotografie auch als Prozess verstanden werden, der sich inhaltlich wie formell ständig
im Wandel befindet. Die Diskussionen darüber haben wir mit einem Symposium abgedeckt, welches uns besonders
wichtig ist.
-
Ergänzt wird diese Ambition durch in den Galerien stattfindenden "Fotografengespräche".

Unsere Eigenart sind die verschiedensten Ausstellungsräume mit unterschiedlichstem Ambiente, die alle zu Fuß zu
erreichen und vom für Wiesbaden typischen Gründerzeitflair umgeben sind. Jeder Ort hat eine eigene Ausstrahlung, eine
andere Geschichte und die Umsetzung zu den fotografischen Bildern ist eine besondere Herausforderung.
Während des Festivals finden neben den Ausstellungen auch Veranstaltungen und Aktivitäten anderer Kunstsparten zum
Thema der Fototage statt.
Hierzu sind wir auf der Suche nach passenden Partner und für Anregungen sehr offen.
Langfristig streben wir nach einem Netzwerk indem alle Beteiligten miteinbezogen werden.
Hierzu soll unser Internetauftritt noch interaktiver gestaltet werden.


2. Der Veranstaltungsort

Die Wiesbadener Fototage haben sich im Stadtteilbereich Herderstr.- begrenzt von Rheinstraße, Kaiser-Friedrich-Ring,
Karlstraße, Moritzstraße - etabliert. In diesem Bereich finden sich günstige Ladenräume mit großen Fensterflächen, die
zur Galerienutzung geeignet sind. Dabei handelt es sich um ehemalige Läden und Geschäfte sowie kleine Betriebe.
Durch Anmieten von leerstehenden Ladenräumen kann die Ausstellungskapazität für den Zeitraum des Festivals
erweitert werden. Die Individualität der Ausstellungsräume schafft aufgrund der jeweiligen Eigenheiten und Größen
unterschiedlichste Raumerlebnisse (z.B. ehemalige Metzgerei bis stillgelegter kleiner Industriebetrieb). Beim Gang zu
den einzelnen Galerien kann die das Viertel bestimmende Wiesbadener Gründerzeitarchitektur bewundert werden. Der
Stadtteil wird während der Fototage mit entsprechenden Fahnen und straßenüberspannenden Bannern bestückt.
Neben den aufgeführten Galerieräumen als Hauptpräsentationsorte gibt es für die Rahmenveranstaltungen das
Biebricher Schloss (Filme), die Villa Clementine (Lesungen), Schlachthof (Performance, Videoinstallationen o.ä.),
Frauenmuseum, Tanzraum und ggf. das Kino Caligari.

3. Projektbeschreibung für 2005

Arbeitstitel: Deutschlandbilder !
Ausgestellt werden Fotografien mit interessanten neuen, ungewöhnlichen Sichtweisen auf Deutschland, hauptsächlich
aus der Sicht europäischer Fotografen. Der europäische Blick auf Deutschland eröffnet neue Perspektiven auf
vermeintlich Bekanntes und Gewohntes. Dabei bilden Themenbereiche wie Menschen in Deutschland, der deutsche
Alltag, kulturelle Eigenarten aber auch künstlerische Landschaftsfotografie sowie Reportagen und soziale Themen die
Schwerpunkte.
Hintergrund und Kriterium sind hierbei die Eigenansichten und die Beibehaltung des besonderen fotografischen Stils
des Fotografen in Bezug seiner Herkunft oder persönlichen Identität.


Geschichte der Wiesbadener Fototage

Die Wiesbadener Fototage sind ein junges Festival für Fotografie, das sich seit der Auftaktveranstaltung vor zwei Jahren
in einem sehr dynamischen Entwicklungsprozess befindet. Im Jahr 2002 haben zwei benachbarte Galerien, Galerie
Lichtbild und Galerie Pokusa, mit dem Thema „Experimentelle Fotografie“ den Grundstein für eine Kunstmeile rund um
die Herderstraße in Wiesbaden gelegt. Am Eröffnungsfest und Symposium haben damals an einem Tag ca. 400
kunstinteressierte Besucher teilgenommen. Wir sind mit der Fotokunst auch „auf die Straße“ gegangen – mit
Stellwänden wurden zusätzliche Ausstellungsflächen unter freiem Himmel geschaffen. Im Jahr 2003 waren es vier
Galerien in dem Viertel, die „Polnische Fotografie“ und die Ergebnisse eines deutsch-polnischen Fotoworkshops
(Riesengebirge/Polen, Juli 2003) einem noch breiteren Publikum präsentiert haben.
Das Jahr 2004 wurde von einer „Begegnung mit Afrika“ geprägt. Dabei haben die Wiesbadener Fototage für ihre Idee
weitere wichtige Ausstellungsorte (insgesamt sieben Galerien, u. A. das Wiesbadener frauen museum) hinzu gewonnen.
Die Schirmherrschaft übernahm Entwicklungsministerin Frau Heidemarie Wieczorek-Zeul. Neben Symposium,
Diabildbeiträgen und Gruppenführungen wurden zum ersten Mal zwei Filme im Schloss Biebrich präsentiert. Die
Ausstellungsdauer beträgt jedes Jahr einen Monat. Inzwischen haben auch die ersten Schulklassen bereits an
Führungen durch die Ausstellung teilgenommen, und die Zahl der Besucher am Eröffnungstag der jüngsten Fototage
(2004) ist bis auf 800 angewachsen.
In den drei Ausstellungen der ersten beiden Jahre wurden Arbeiten von insgesamt
vierzig FotografInnen präsentiert. Die Wiesbadener Fototage wurden von Reinhard Berg (Galerie Lichtbild), dem
Mitbegründer des Vereins „Photowork e.V.“ initiiert.
In der lokalen und überregionalen Presse wurde mehrfach sehr positiv über die von uns organisierten Ausstellungen
berichtet.
Die Wiesbadener Fototage sind dabei, neue Kooperationspartner zu gewinnen und haben neue spannende Themen für
die nächsten Jahre im Fokus.