7. Wiesbadener Fototage

Fotofestival für zeitgenössische Fotografie -
Wagnis Fotografie



September
2011

vom 10.9 bis 25.9.2011


Pressetext - kurz



7. Wiesbadener Fototage "Wagnis Fotografie" vom 10. bis 25.September

Die Wiesbadener Fototage finden alle zwei Jahre - im Rhythmus der ungeraden Jahre statt.
Themenschwerpunkt der Fototage 2011 "Wagnis Fotografie"

"Sich auf etwas einzulassen, etwas zu wagen, kann sehr individuell bestimmt sein.
Sowohl das Wagnis, das durch den Fotografen eingegangen wird, als auch das Wagnis derer,
die sich und ihre Lebenswirklichkeit offenbaren".


Wagnis Fotografie heißt, außergewöhnliche Themen zu wählen, neue Bildsprachen zu erarbeiten,
Realitäten und Fiktionen künstlerisch umzusetzen und fotografische Grenzen auszuloten.
Die inhaltliche Bandbreite reicht dabei von Risiko, Tabus und Lebenswelten bis hin zu neuen, formal ästhetischen Bildkompositionen.

Aus über 300 Einsendungen wurden ca. 60 Fotografen aus Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern ausgewählt, die ihre Werke an 18 Ausstellungsorten in Wiesbaden zeigen.
Eröffnet werden die Fototage dieses Jahr in der neuen Ausstellungshalle des Kunsthauses.

Begleitend zu den Ausstellungen finden Fotografengespräche statt, bei denen der Kontakt zwischen Publikum, Fotografen und Festivalmachern in kleineren Runden intensiviert werden soll.
Fortgesetzt wird die Reihe „Fotografie im Film“ in der Filmbühne Caligari mit dem Dokumentarfilm "Shooting Under Fire".
Und wie schon in den letzten zwei Jahren wird auch 2011 der Förderpreis der Wiesbadener Volksbank in Höhe von 2000 Euro ausgelobt.

Öffnungszeiten jeweils am Wochende: Fr. Sa. und So. von 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nähere Informationen findet man unter: www.wiesbadener-fototage.de

 

Vorwort zum Buch

Wenn man dem Wagnis auf die Spur kommen will, muß man sich mit seiner Abgrenzung zum Risiko befassen. Beides
erfordert Mut und Handlungswillen. Während einem Wagnis fast immer Risiken innewohnen, bedeutet keineswegs ein
Risiko auch schon ein Wagnis.

Angewandt auf das Thema dieser Ausstellung, wird der Unterschied schnell klar: "Risiko Fotografie" würde lediglich konkrete materielle und ästhetische Unsicherheiten benennen, während "Wagnis Fotografie" die ethische Weite des Begriffs sinnfällig vor Augen führt. Das Wagnis kann die Gefährlichkeit der Sachlage bezeichnen, es beinhaltet dabei aber auch die Einstellung des Menschen dazu, in diesem Fall sowohl des Fotografen als auch des Betrachters, und auf die kommt es hier an. Wer etwas riskiert, setzt sich Gefährdungen aus. Wer aber etwas wagt, will sich damit für einen höheren Wert einsetzen. Der komplexe Mensch mit seinen Triebkräften, Gefühlen und Wertvorstellungen ist entscheidend für den inneren Wert seines Wagnisses. Sein Streben dient einem übergeordneten Interesse.

In der Fotografie bestehen Wagnisse darin, gewohnte Pfade zu verlassen und sich wie auch sein Werk neuen und nicht immer berechenbaren Situationen auszusetzen, die den Künstler und das Publikum in ihrem Werterleben und in ihrer Wertausrichtung berühren und fordern. Wesentlich ist also die Orientierung an hochrangigen Zielen, die sich nur über das Wagnis erreichen lassen. Im Gegensatz zum Riskieren ist das Wagen ein ethischer Vorgang.

Die Wiesbadener Fototage 2011 geben genug Raum für die Erfahrung, daß sich die Wagnis- und Risikoanteile in der Fotografie nicht immer scharf abgrenzen lassen. Die Beiträge zur Ausstellung setzen sich mit Kühnheit und Tollkühnheit, Wagemut und Risikobereitschaft, Mut und Ungewißheit, aber auch mit dem überzeugten Schritt in unerforschtes Neuland auseinander. Damit sind die Veranstalter auch selbst ein Wagnis eingegangen, denn das Publikum muß eine Position einnehmen: Geht es den Weg eines Künstlers mit? Verwirft es ihn? Eine gewagte Bildsprache und -ästhetik will verstanden und muß in irgendeiner Weise rezipiert werden.

Dabei kann man leicht übersehen, daß Fotografie schon immer ein Wagnis war, nicht nur in physischer Hinsicht, wenn es etwa um Aufnahmen in Kriegsgebieten geht. Der Wagemut droht verlorenzugehen, wenn in der unerschöpflichen kommerziellen Bilderflut, die unseren Alltag durchspült, jede Eventualität ausgeschaltet und jeder Weißabgleich vorherbestimmt ist. Das hat die Bilder berechenbar gemacht, aber auch den Betrachter. Mit der Ausschreibung wollten die Veranstalter anregen, sich gerade heute, wo alles geklärt zu sein scheint, auf Neues einzulassen.

Wagnis Fotografie heißt, außergewöhnliche Themen zu wählen, neue Bildsprachen zu erarbeiten, Realitäten und Fiktionen künstlerisch umzusetzen und fotografische Grenzen auszuloten. Sowohl das Wagnis, das durch den Fotografen eingegangen wird, als auch das Wagnis derer, die sich und ihre Lebenswirklichkeit offenbaren, kann sehr individuell bestimmt sein. Die inhaltliche Bandbreite reicht dabei von Risiko, Tabus und Lebenswelten bis hin zu neuen, formal ästhetischen Bildkompositionen.

Wagnisse können dabei auch abseits ästhetischer Überlegungen sehr greifbare Risiken beinhalten, wie die Installation "Bilder für die Freiheit" im Rahmen der Ausstellung zeigt. Seit Ende letzten Jahres berühren Aufstände und Demonstrationen im Nahen Osten die Welt. Im Kampf um Freiheit sind die meist mit Mobiltelefonen gemachten Aufnahmen der demonstrierenden Menschen zur zentralen Waffe geworden. Die Bilder mobilisieren und dokumentieren. Eine neue revolutionäre Ikonografie ist entstanden. Den Aufnahmen der Aufständischen wohnt eine eigene Ästhetik inne. Mit diesem Sonderbereich wird die Ausstellung um ein reales, sehr aktuelles Stück Lebenswirklichkeit erweitert.

Eine weitere wesentliche Ergänzung, die fotografische Wagnissituationen begreifbar macht, ist der Dokumentarfilm "Shooting Under Fire" von Sacha Mirzoeff und Bettina Borgfeld. Einige Wochen lang hat ein Kamerateam Fotografen bei ihrer Arbeit in den besetzten Palästinensergebieten beobachtet. Die Widersprüche redaktioneller Entscheidungsprozesse, das persönliche Wagnis der Fotografen, ihre unterschiedlich ausgeprägte journalistische Objektivität und technische Aspekte der Kriegsfotografie im digitalen Zeitalter werden mit bedrückender Dichte gezeigt.

Es sind diese Bezüge in die Wirklichkeit, die erkennen lassen, daß gerade dieser Bereich der bildenden Kunst nicht aus dem Elfenbeinturm oder abgeschotteten Denkkammern introvertierter Ästheten stammt. Alle gezeigten Arbeiten sind hervorragende Beispiele dafür, wie es aussieht, wenn sich jemand mit dem Leben und unserer Art und Weise, damit und darin zurechtzukommen, auseinandersetzt.

 

Alexander Glück

 



Fotos der Vernissage im Kunsthaus Wiesbaden vom 12.9.09

Impressionen aller Ausstellungsorte




Konzept und Geschichte der Wiesbadener Fototage